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Kriterien für die Ofenplanung

Ofenarten und -Eigenschaften, Wahl des Handwerkers, Überprüfung eines Angebots, Beziehung Auftragsgeber / -Nehmer, Ofen im Eigenbau

1. Ofenarten

Nachfolgend werden die häufigsten, handwerklich gesetzten Ofentypen in ihrer Funktion und Wirkung erklärt.

Der offene Kamin

Er ist die einfachste und ursprünglichste Form der heutigen Feuerstätten. Er schenkt den unmittelbaren Genuß von Feuer und Wärme, gibt direkt durch Flamme und Glut sowie über seine Wände Strahlungswärme ab und ist in der Rege! aus Schamottestein gemauert. Der Feuerraum ist auf möglichst kurzem Weg mit dem Schornstein verbunden. Technisch ungünstig ist der niedrige Wirkungsgrad der Verbrennung, die geringe Wärmespeicherung und die Zugluftbelästigung im Fußbodenbereich (falls nicht eine Verbrennungsluftführung von aussen eingebaut wurde). Ein offener Kamin benötigt einen eigenen Schornsteinzug, an den keine anderen Feuerstätten angeschlossen werden dürfen.

Der geschlossene Kamin

Er ist gebaut wie ein offener Kamin mit Türe (ein- oder zweiflügelig, meist mit Glasscheibe). Damit wird die Wärmespeicherung verbessert, indem der ständige Luftzug, und somit der Wärmeaustrag, durch den Kamin unterbunden ist. Hat die Türe einen „zwangsschließenden" Mechanismus (in der Regel durch eine Feder) so ist Schornsteinmehrfachbelegung zugelassen. Diese Variente wird in den letzten Jahren häufig gewählt als Mittelweg zwischen Feuergenuß bei offener und Wirtschaftlichkeit bei geschlossener Türe.

Der Grundofen

Er krönt die Ofenentwicklung. Er schafft durch seine Strahlungswärme ein behagliches Raumklima und hat eine hohe Wärmespeicherwirkung. - Der gemauerte Feuerraum ohne Rost ist optimal für den Holzbrand ausgelegt. Mit ausreichend Luft wird die eingebrachte Holzmenge in einem intensiven Feuer vollständig abgebrannt. Der heiße Rauch strömt durch ein mehrere Meter langes, gemauertes Zugsystem; seine Wärme wird von den Steinmassen aufgenommen und über einen Zeitraum von 8-20 Stunden nach aussen abgegeben. Diese Funktionseinheit ist umgeben von einem Ofenmantel aus Kachel, Stein oder Lehm, der die Speicherwirkung erhöht und die Außenwandtemperatur auf max. 100°C begrenzt. - Die vollständige Verbrennung bei hoher Temperatur, die niedrige Rauchgastemperatur bei Schornsteineintritt durch volle Ausnutzung der Wärme im Zugsystem, die langanhaltende Speicherwirkung und der hohe Anteil an Wärmestrahlung machen den Grundofen, der seine Qualitäten bei regelmäßigem Betrieb am besten entfaltet, zu einer wirtschaftlichen, bequemen und behaglichen Wärmequelle.

Der Kamingrundofen

Er stellt eine in den letzten Jahren gern gewählte Entwicklung dar und vereinigt den Genuß des offenen Feuers mit den Vorzügen des Grundofens.
Feuerraum, Ofentüre und Rauchgaszug entsprechen dem geschlossenen Kamin. An geeigneter Stelle wird ein gemauertes Zugsystem, wie beim Grundofen, angeschlossen. Über eine Rauchgasklappe kann gewählt werden zwischen dem Betrieb als Kamin mit offener Türe oder Grundofen mit geschlossener Türe.

Der Kombiofen

Er besteht aus einem ummauerten, innen ausschamottierten Heizeinsatz (= Feuerraum) aus Stahl und einem nachgeschalteten, gemauerten Zugsystem (wie beim Grundofen). Zwischen dem Einsatz und seiner Ummantelung aus Stein wird Raumluft aufgeheizt, die durch Öffnungen im Sockelbereich einströmt und im Kopfbereich durch Lüftungsgitter oder ein Rohrsystem verteilt wird. Er ist also eine Kombination aus Warmluft- (vom Heizeinsatz) und Strahlungsheizung (vom Zugsystem), geeignet in verwinkelten Wohnungen oder wenn Nebenräume, auch im Stockwerk darüber, mitgeheizt werden sollen. Bequem sind Heizeinsätze mit einer elektronischer Verbrennungsregelung, die den Wirkungsgrad optimiert und den Bedienungsaufwand verringert.

Der Heizkamin

Er besteht aus einem meist ausschamottierten Stahlkörper mit großer Sichtfenstertüre. Dieser Kamineinsatz wird mit Stein ummauert. Die Heizwirkung erfolgt als Wärmestrahlung über das Feuer und die Feuerraumschamottierung und als Konvektion über den Luftstrom, der sich zwischen Kamineinsatz und Ummantelung aufheizt. Einzelne Modelle sind zur Kombination mit einem gemauerten Zugsystem zugelassen, sodass zusätzlich Wärmestrahlung und -speicherung entsteht.

Hypokaustenwände

Hier handelt es sich um Wandheizflächen, die die am Heizeinsatz entstehende Warmluft in Strahlungswärme umwandeln. Die warme Luft wird in gemauerten, flächig ausgebildeten Zügen durch die Hypokaustenwände geführt und abgekühlt in einem geschlossenem Kreislauf in den Sockelbereich des Heizeinsatzes zurückgeleitet. Damit werden die Nachteile einer Warmluftheizung wie Feinstaubverwirbelung, kalte Füsse /heißer Kopf, Schall- und Geruchsübertragung ausgeschlossen. So ist es beispielsweise möglich, das Erdgeschoss eines Hauses über die warme Oberfläche eines zentralen Kombiofens und den 1. Stock über warmluftbetriebene Heizwände mit gesunder, behaglicher Strahlungswärme zu heizen.

2. Planung der Aufgaben und Besonderheiten des Ofens / Kamins

Soll er nur einen oder mehrere Räume beheizen?

Öfen/Kamine, die vor allem Strahlungswärme abgeben, heizen vor allem die direkt bestrahlten Raumzonen und sollen immer gegenüber der kühlen Außenwände gebaut werden, damit sie deren Temperatur erhöhen und so ein behagliches Raum - Stahlungsklima schaffen. Um einen zentralen Schornstein herum und durch Wanddurchbrüche gebaut kann ein Ofen auch mehrere Räume erwärmen.

Wie oft soll der Ofen befeuert werden?

Leicht, d.h. dünnwandig, gebaute Öfen sind schneller warm, heisser an der Oberfläche, eher wieder abgekühlt und kleiner als schwer gebaute Öfen, die länger die Wärme speichern und deshalb weniger oft befeuert werden müssen. Die sogenannte mittelschwere Bauart mit zwei Abbränden täglich an kalten Wintertagen und einem Abbrand pro Tag in der Übergangszeit bewährt sich beim Grundofen meist bestens.

Welche Details soll der Ofen haben?

3. Wahl des Handwerkers

Einige Fragen schaffen Bewußtheit über die Wahl des Ofensetzers:
Wurde er von Kunden empfohlen; hat er Referenzen; Ist er verbindlich (Rückruf, Pünktlichkeit); geht er ausführlich auf alle Kundenanliegen ein; nimmt er sich Zeit für eine ausführlich Beratung und eine gemeinsame Entwicklung des Ofenentwurfs; werden alle Vor- und Nachteile erläutert; nimmt der Handwerker den Kunden und seine Lebensumstände wahr; kommt er zu einem Termin auf die Baustelle mit der Bereitschaft die Raumatmosphäre und das Gesamtprojekt anzuspüren; vermittelt er Sicherheit durch fachliche Kompetenz; ist der persönliche Eindruck positiv; fühlt sich der Kunde verstanden und respektiert; leitet der Gesprächspartner persönlich den Ofenbau.

4. Bewertung des Angebots

Ist das Angebot vollständig im Sinne der Vorbesprechung? Liegt der Preis innerhalb der Erwartungen, ist er nachvollziehbar? Ist der Leistungsumfang genau definiert? Sind Ausführungsdetails (z.B. Fundamentplatte, Wanddurchbrüche, Bodenfliesen vor der Ofentüre, u.U. Eigenleistung des Kunden) und Ofendetails (z.B. Feuerungstüre, Wärmefachtüren/ Luftgitter, Kachelform und -Farbe, Herdplatte, Anheizklappe, Rauchrohrklappe, externe Zuluft) genau definiert in Qualität und Design? Ist ein verbindlicher Bautermin festgelegt?

5. Beziehung Kunde - Handwerker

Neben der formaljuristischen Geschäftsbeziehung lebt der persönliche Hintergrund aller Beteiligten: Einen Ofen zu bauen ist, wie der Hausbau, ein Prozeß, der sich im Ergebnis spürbar und sichtbar ausdrückt. Alle Menschen, die zusammen mit dem Kunden an seinem Haus arbeiten, erschaffen seine unmittelbare Umgebung, seinen Lebensraum. Der Kunde wünscht sich, daß das Ergebnis schön ist, den zugedachten Nutzen erfüllt und ihn glücklich macht. Durch seine Bereitschaft, alle Beteiligten, die daran arbeiten, zu unterstützen fördert er auf seiner Baustelle gute Zusammenarbeit, schöpferische, konzentrierte Atmosphäre und ein Gefühl der Freude und Zufriedenheit bei allen Beteiligten.
Der Handwerker steht im Dienst des Kunden, er dient ihm. Das bedeutet, er tut sein Bestes um seinen Teil der Vereinbarung mit dem Kunden zu erfüllen. Voraussetzung dafür ist Gesundheit, Freude an der Arbeit und volle Konzentration auf sein Tun. Er widmet seine Energie der Vision des Kunden und ihrer Verwirklichung.

6. Ofen im Eigenbau

Auch handwerklich erfahrene Laien können einen Ofen bauen. Voraussetzung ist: - Ein korrektes Konzept (Ofengröße, Feuerraum- und Zugdimensionen, Einhaltung der Brandschutzvorschriften) - Kenntnissse in Auswahl und Verarbeitung der geeigneten Materialien - Sorgfältige und verantwortungsbewußte Vorgehensweise, Fehler können gravierende Folgen haben (Rauchbelästigung, Brandgefahr). Bewährt hat sich die Teilnahme an einem unserer Lehmofenbauseminare und die Zusammenarbeit mit einem Fachmann bei der Ofenplanung.

Dipl.Ing. Kurt Eigen

Dieser Artikel erschien in der baubiologischen Fachzeitschrift Wohnung+Gesundheit Nr. 94.